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Kulturvielfalt im metro

Wer in Kiel nach dem kinematografischen Winterschlaf endlich wieder der Kinoleidenschaft frönen möchte, der kommt an der Holtenauer Straße 162 nicht vorbei. Das metro Kino im Schlosshof ist der Ort für den Duft von frisch aufgepoppten Maiskörnern, in warmes Licht getauchte Kinosäle, und gedämpftes Stimmengemurmel, kurz bevor die Vorstellungen beginnen. Das Kinoerlebnis ist ein unvergleichbar besonderes, das sieht auch Jan-Per Sellmer so.

„Wenn ich an meine ersten Filmerfahrungen denke, dann erinnere ich mich an Familienabende zu Hause. Die Leinwand wurde aufgebaut und alles dunkel gemacht. Wir schauten Super-8-Filme mit Stan Laurel und Oliver Hardy oder Bugs Bunny. Das waren aufregende und be- sondere Abende. Auch die Technik hat mich damals schon fasziniert, auch wenn man manchmal den Brandlöchern auf der Leinwand beim Wachsen zuschauen konnte, wenn der Projektor streikte...“, schwelgt er in Erinnerungen. Der Geschäftsführer des metro Kinos hat bereits Ende der 80er während des Studiums erste Berührungspunkte zu dem fantastischen Medium aufgebaut, ist immer mehr dem Ruf des Filmtheaters gefolgt und seit September 2020 im metro Kino dafür verantwortlich, den Kieler*innen eine kulturelle Auszeit im Alltag zu bescheren.

Im digitalen Zeitalter von Online-Streaming-Diensten ist das Kino nach wie vor eine willkommene Abwechslung. „Das ist nicht mit Fernsehen zu vergleichen. Auch wenn das Medium Film vielleicht gleich sein mag, ist das konzentriertere Schauen im Kino ein ganz anderes. Im Kino lässt man sich auf die Filme, ihre Inhalte und die eigenen Emotionen mehr ein. Das gemeinschaftliche Erleben und Durchleben von bewegenden, moralischen oder emotional berührenden Themen erweckt mehr Empathie und lässt auch eine stärkere Teilhabe am Gesehenen zu“, beschreibt Jan-Per Sellmer das Besondere des Kinoserlebnisses. „Dieser Wunsch, dem Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen, ist jetzt noch viel größer als vor der Pandemie“, erklärt Sellmer den aktuell hohen Besucheransturm. Auch die soziale Komponente des Ausgehens unterscheide das Erlebnis vom Heimkino zum öffentlichen Filmtheater enorm: „Gerade, weil wir das so lange nicht durften, spüren wir alle jetzt, wie sehr uns das ins Kino gehen gefehlt hat.“ Im metro Kino spielen oft Filme, die nachhallen. Man sieht etwas auf der großen Leinwand, das man danach im Herzen mit nach Hause trägt.


Auf der Suche nach versteckten Schönheiten ist Jan-Per Sellmer immer. Zu seinen Filmempfehlungen für die kommende dunkle Jahreszeit möchte er den Cineasten drei starke Streifen ans Herz legen: „Contra“ ist eine entlarvende, sozialkritische Komödie von Erfolgsregisseur Sönke Wortmann mit Christoph Maria Herbst, der es als befangener Professor mit einer klugen Studentin zu tun bekommt. Das Remake der französischen Hit-Komödie „Die brillante Mademoiselle Naila“ begeistere die Kinogänger mit satirisch-bissigem Humor. Außerdem ganz oben auf seiner Empfehlungsliste steht „The many Saints of Newark“, der die Vorgeschichte zu dem Serienhit „Die Sopranos“ erzählt.

Der Film folgt dem Helden Toni Soprano durch die 60er und 70er Jahre, in denen er zum Bandenboss aufsteigt. Auch „House of Gucci“ ist eine Empfehlung für die kalte Jahreszeit. „Ridley Scott inszeniert die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte um die Ermordung von Maurizio Gucci mit einem fantastischen Cast aus Lady Gaga, Jeremy Irons, Adam Driver, Salma Hayek und Al Pacino. Großartige, spannende und humorvolle Unterhaltung mit einem Star-Cast, wie wir es lange nicht mehr in einem Film versammelt sehen konnten,“ schwärmt der Kinoleiter.

„Dieser Wunsch, dem Alltag für ein paar Minuten zu entfliehen, ist jetzt noch viel größer als vor der Pandemie“

Die ersten Filme flimmerten übrigens bereits 1939 über die Leinwand, damals noch unter dem Namen „Schloßhof-Lichtspiele“. Nachdem das metro zehn Jahre lang geschlossen war, hoben sich im September 2006 nach einer Komplettsanierung unter Beibehaltung des alten Kino-Charmes und der Ausstattung mit modernster Technik nach einer langen Pause endlich wieder die Vorhänge für Cineasten, die sich dem Genuss eines besonderen Kinoerlebnisses verschrieben haben. Das metro hat heute drei Säle mit insgesamt knapp 600 Sitzplätzen. Der Hauptraum ist mit einer großen Bühne ausgestattet, denn zusätzlich zum Filmprogramm gehört es zum Konzept, das Kino auch zu einem kulturellen Veranstaltungszentrum im Kieler Norden zu machen.

Weil das metro Kino sich der besten Unterhaltung für sein Publikum verschrieben hat, liegt kaum etwas näher, als das Kino auch über die Leinwand hinaus für kulturelle Unterhaltungsformate zu nutzen. Auf der Bühne des großen Saales finden daher in regelmäßigen Abständen Lesungen und hauptsächlich Comedy- und Kabarettprogramme statt. „Wer hier schon alles war und erst über uns deutschlandweit prominent wurde, das ist schon beachtlich“, so der Verantwortliche für die Live-Events André Liebmann. Der Comedian Torsten Sträter zum Beispiel. „Auch Carolin Kebekus und Matze Knop brachten die Kieler hier zum Lachen, noch bevor sie groß rauskamen“.


Nach einer Zeit voller Verschiebungen und Absagen freut sich Liebmann heute umso mehr auf die nächsten Monate, in denen die Acts wieder gut nachgefragt werden oder sogar schon ausverkauft sind. „Wir gehen davon aus, dass alle Veranstaltungen in den kommenden Monaten endlich wieder wie geplant stattfinden können. Das ist nicht nur für uns und das Publikum, sondern auch für die Künstler ein Segen.“

Das Wohlfühlcafé „retro“ komplettiert den Kinobesuch mit allen Sinnen. Großer Beliebtheit erfreut sich das Kombiangebot, bei dem die Kinogänger am Wochenende erst in Ruhe brunchen und sich danach bei einem von drei vorgestellten Kinofilmen zurücklehnen dürfen. Ab 10 Uhr gibt es das Ankreuzfrühstück, bei dem von süß bis salzig alles dabei ist. Im Vordergrund stehen saisonale und regionale Produkte. Das Thema Regionalität nehmen die Betreiber wortwörtlich, denn der Fisch kommt von Künnemann W. & Sohn, das Fleisch von Hof Steffens und das Obst und Gemüse wird zum Großteil vom nur fünf Minuten zu Fuß entfernten Wochenmarkt geholt.

Für Koffeinschübe sorgen die Kaffeebohnen von Loppokaffee und die Milchprodukte stammen von Familie Riecken aus Großbarkau. Die große Wertschätzung der Lebensmittel sieht und schmeckt man! Kuchen, wie von Oma gebacken, Quiches mit knackigem Gemüse der Saison oder der eigens gekochte Chaisirup für den Winter zum Aufwärmen. „Sofern wir können, machen wir es selbst“, lautet das Motto der Betreiber, denn das ist retro!

Im metro fügen sich heute viele Elemente in das stimmige Gesamtbild ein. Es ist ein Ort, der sich Unterhaltung und Genuss auf die Fahne geschrieben hat und diese Ziele mit der Wahrung einer langen Tradition vereint. Unterm Strich tragen das Konzept und das gesamte Team, gewürzt mit einer Prise Nostalgie, zum unverkennbaren metro-Charme bei. Jetzt noch eine Tüte Popcorn, egal ob süß oder salzig, und der Film kann beginnen.

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metro Kino im Schloßhof

Holtenauer Straße 162 24105 Kiel

Tel. 0431 – 2207890

www.metrokino-kiel.de

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