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Licht & Feder

Fotografenportrait Marco Knopp



Nicht gerade wie die Jungfrau zum Kind, aber doch eher unverhofft kam es dazu, dass Marco Knopp die Fotografie zu seinem Beruf machte. Der gebürtige Bordesholmer hatte seine Ausbildung zum Werbetechniker erfolgreich abgeschlossen und einige Zeit in seinem Job gearbeitet, als sein damaliger Arbeitgeber sein Geschäft aufgab. 2005 starteten Wochen der Neuorientierung. Als sein jüngerer Bruder eines Tages mit der Info von der Schule kam, dass dort ein Vortrag für eine neue Fotografie-Ausbildung stattfinden sollte, entschloss sich der damals 24-Jährige Marco Knopp spontan und ohne große Erwartungen dem Ganzen einmal beiwohnen zu wollen. Und schon das erste Date zeigte, dass es seine zukünftige Liebe gefunden haben sollte. So wurde es ernster und es folgte die Ausbildung zum Fotodesigner beim Photo+Medienforum in Kiel.


Als ich sein Fotoatelier betrete, bin ich schon etwas irritiert. Wir stehen in einem Raum, der vielmehr einer Mischung aus Büro und Werkstatt mit einem leichten Hauch von künstlerischem Chaos gleicht, als meiner Vorstellung, wie ein Fotostudio oder -atelier auszusehen hat. „Hier kommen ja auch keine Endkunden her, um fotografiert zu werden“, lacht mich Marco an. „Hier lichte ich zu 95 Prozent nur Produkte ab.“


Seine Anfänge in der Fotografie nach der Ausbildung hat Marco in der Magazinwelt genommen. Durch ein Praktikum in einem kleinen Funsport-Verlag in Kiel verfolgte er zunächst die journalistische Schiene der Sportfotografie und schrieb sogar erste Texte. Darauf aufbauend lichtete er für eine Stuttgarter Sportbild-Agentur eineinhalb Jahre die harten Würfe des THW und die strammen Schüsse des HSV, des FC St. Pauli und der Störche von Holstein Kiel ab. Ein Traumjob, „wenn man mich fragt, ist es eigentlich schon“, sagt Marco nickend, „aber leider auch unheimlich schlecht bezahlt, und für Fotoagenturen zu arbeiten ist extrem stressig.“ Dann erklärt er genauer: „Klar, es bringt einen riesigen Spaß, so dicht am Spielfeldrand zu sitzen - besonders als Sportfan, wie ich es bin.


Doch Sportfotografie für Agenturen ist sehr hektisch und von den Motiven her, ehrlich gesagt, auch ziemlich eintönig. Das, was die Zeitungen und Nachrichtenagenturen wollen, sind immer die gleichen Sachen. Dafür wollen sie die aber immer sofort und direkt live vom Rasen oder der Platte. Für Bildbearbeitung bleibt da keine Zeit. Dadurch bleibt leider einiges an Qualität auf dem Sensor liegen.“



Also hat Marco den Fokus seines fotografischen Brot- und Buttergeschäfts neu justiert. Er stellte sich die Frage, was seine großen Stärken in der Fotografie sind und kam zu einer schnellen Antwort. „Das ist seither die Reportage- und Werbefotografie“, sagt der heute 37-Jährige selbstsicher. Die Qualität seiner Fotos zeigt, dass der Mann, der sich wahrscheinlich schon im millionenfachen Bereich der Verschlussauslösungen bewegt, sein Handwerk versteht. Bei allem, was der Kieler unter anderem in seiner Zeit der Ausbildung durch andere gelernt hat, vertritt er klar die Meinung, dass sich das Beherrschen der Fotografie und eben auch der Beruf des Fotografen nahezu jeder ohne große Lehrmeister aneignen kann: „Fotografie ist zu einem ganz großen Teil Autodidaktik, der andere Teil ist Leidenschaft. Man muss schon Bock haben auf diesen Beruf, sonst sollte man sich den Stress nicht machen. Denn der Weg zur erfolgreichen Selbstständigkeit ist definitiv steinig.“


Mit der Fotografie ist es also wie in jedem Handwerk: Das, was man in der Lehre gezeigt bekommt, auch wie man sein Werkzeug zu bedienen hat, reicht nicht aus, um ein guter Handwerker und in diesem Fall ein guter Fotograf zu werden. Erst durch die Praxis lernt man, die Fertigkeit und Vielfältigkeit mit seiner Kamera umzugehen, und entwickelt dabei seinen eigenen Stil. Marco Knopp fasst es wie folgt zusammen: „Wer als Fotograf bestehen will, muss seine Technik beherrschen. Das ist eh eine Grundvoraussetzung. Heutzutage nehmen dir die Kameras und auch das restliche Equipment schon sehr viel ab, daher ist es ungemein wichtig, dass man nicht nur seine Arbeit, die Fotografie, sondern auch sich selbst und das Arbeitsumfeld verkauft. Hochwertige Fotografien erwartet der Kunde sowieso, daher ist es wichtig, dass er DIR den Job geben will und nicht einem anderen. Und das erreicht man durch kreative Arbeit und vor allem durch Sympathie. Wer kein guter Kommunikator ist, der hat es sehr schwer in diesem Berufszweig.“ Mir wirft sich natürlich direkt die Frage auf, ob Marco neben der Fähigkeit gut fotografieren zu können auch in der Lage ist, die Erwartungen seiner Kunden zu erfassen. „Ich glaube, ich bin recht gut darin, ja“, lacht Marco. „Ich habe schon immer gerne geschnackt - ob nun auf der Schulbank, auf Partys oder im Alltag. Da ist häufig auch viel Blödsinn dabei, aber ich finde eigentlich immer recht schnell einen Draht zu meinem Gegenüber.“ Und diesen Draht findet der Fotograf durch seine Fähigkeit, nicht nur gut schnacken, sondern auch sehr gut zuhören zu können.


Marco Knopp ist durch seine Fotografie reichlich herumgekommen, doch Kiel als Lebensmittelpunkt verlassen, hat er noch nie. „Werde ich auch nicht“, schießt es ohne ein Zögern aus ihm heraus. „Ich liebe das hier. Ich bin Norddeutscher durch und durch.“ Vor einigen Jahren hatte Marco mal ein Jobangebot des herausragenden Fußball-Magazins 11Freunde. Doch der dafür nötige Umzug in die große Stadt Berlin kam für ihn nicht in Frage. „Fotografieren und schreiben im Bereich Fußball und dann auch noch für 11Freunde wäre schon ein Traumjob gewesen. Aber ich wäre in Berlin einfach nicht glücklich geworden – außerhalb des Büros. Klingt abgedroschen, aber ich mag die Unaufgeregtheit der Leute hier oben und brauche das Meer und den frischen Wind um die Nase.“ Kurzerhand hat er daher seinen Traumjob hier nach Kiel geholt und mit ein paar Freunden vor einiger Zeit das Holstein Kiel-Fanmagazin 19hundert aus der Wiege gehoben. Außerdem ist eines der nächsten Projekte, das Marco sehr am Herzen liegt, die Veröffentlichung des zweiten Teils seiner Hundertsechs Meter Kiel. „Die Idee entsprang in der Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Stadtmagazin marlowski, das ein Kumpel von mir herausgebracht hat“, erklärt er. „Dort hatte ich eine Rubrik, die eben jenen Namen trug – Hundertsechs Meter Kiel. Dafür habe ich die unterschiedlichsten Orte, Plätze und Ecken in Kiel besucht, abgelichtet und etwas darüber geschrieben. 2015 erschien dann das erste Buch mit einigen dieser Geschichten und am zweiten arbeiten wir nun gerade.“ Doch das ist längst nicht alles, es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Ideen. „So viel Platz hast du vom Chefredakteur nicht bekommen. Ich komme mit den Händen gar nicht hinterher, was der Kopf so alles in Planung hat“, lacht Marco.


Man merkt es dem Fotografen, während er so erzählt, an, dass er voll und ganz in seinem Element – seinem Job – aufgeht. „Ich bin mir bewusst, dass ich ein großes Glück habe, einen Beruf ausüben zu dürfen, den ich wirklich liebe.“ Was ist es denn, was die Fotografie so großartig macht, interessiert mich natürlich sofort. „Es ist einfach ein geiler Job. Man hat mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu tun und kann kreativ mit ihnen zusammenarbeiten. Außerdem ist die Fotografie ein Handwerk, das bei jedem Auftrag neue Situationen schafft, spannend bleibt und dich immer wieder fordert. Und es ist ein tolles Gefühl, wenn man sieht, dass Kunden von deinen Fotos begeistert sind, damit werben und deine Bilder in den unterschiedlichsten Medien veröffentlicht werden. Man bekommt in nur wenigen Berufen die Möglichkeit, seine Arbeit so breit präsentieren zu können wie in der Fotografie. Das macht mich schon stolz.“ «


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