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Maria Sybilla Merian

Immer hat es einzelne Personen gegeben, die sich über die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit hinwegsetzten. Maria Sibylla Merian war so eine Frau. Am 2. April 1647 in Frankfurt am Main geboren, gehörte sie zur jüngeren Linie der Basler Künstlerfamilie Merian. Ihr Vater war Verleger und Kupferstecher.


Vor 300 Jahren galt es noch als unziemlich für Frauen, sich mit Wissenschaft zu beschäftigen, dazu noch mit so niederem Getier wie Insekten. Die Naturkundler im Mittelalter hielten diese noch für eine Brut des Teufels, die aus fauligem Schlamm entstand. Umso ungewöhnlicher war es, dass Maria schon als kleines Mädchen mit großem Eifer begann, Raupen, Spinnen, Käfer und Maden zu sammeln.


Im Alter von dreizehn Jahren beobachtete sie die Entstehung und Verwandlung der Seidenraupe und zeichnete ihre Beobachtungen mit Akribie auch auf.


Im späteren Leben erweitert sie ihr Wissen über die Metamorphose der Schmetterlinge und gilt damit als wichtige Wegbereiterin der Insektenkunde. Als Maria Sibylla drei Jahre alt ist, stirbt ihr Vater. Im darauffolgenden Jahr heiratet ihre Mutter den Blumenmaler Jacob Marrel. Von ihm erhält Maria ihre künstlerische Ausbildung.


Jacob Marrel verzierte seine Blumenbilder gerne mit Schmetterlingen und Käfern. In dessen Werkstatt durfte Maria Sibylla mitarbeiten. Sie lernte, Farben zu mischen und sie übte sich in verschiedenen Zeichen- und Maltechniken.


Am 16. Mai 1665, im Alter von 18 Jahren, heiratete Maria Sibylla Merian Johann Andreas Graff; einen Schüler ihres Stiefvaters Marell. Mit ihm zog sie nach Nürnberg und sie bekamen zwei Töchter. Als Frau waren ihr in der Freien Reichsstadt Nürnberg beruflich enge Grenzen gesetzt. Die „Maler-Ordnung“ vom Ende des 16. Jahrhunderts erlaubte es nur Männern, mit Ölfarben auf Leinwand zu malen.

Doch statt ein Leben als Hausfrau und Mutter zu führen, musste und wollte sie – obwohl es damals unüblich war – zur Sicherung des Lebensunterhalts der Familie beitragen. Maria Sibylla eröffnete eine Zeichenschule, in der sie junge Frauen in der Kunst der Blumenmalerei und –stickerei unterrichtete. Darüber hinaus handelte sie mit Farben und Papier und blieb auch ihren Naturforschungen treu.


Hier entstand ihr erstes Buch, das „Neue Blumenbuch“, gedacht als Musterbuch für stickende Damen. Wenig später ließ sie in zwei Teilen (1679 und 1683) ihr Raupenbuch mit dem Titel: „Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung“ erscheinen. Es enthielt die Ergebnisse ihrer langjährigen Beobachtungen.


Im Jahr 1685, mit 38 Jahren und nach zwanzigjähriger Ehe, entschied sie sich, dem Ruf ihres Stiefbruders zu folgen, um zusammen mit ihrer Mutter und ihren beiden Töchtern, damals 17 und 7 Jahre alt, ins niederländische Friesland zu ziehen. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1691 zog sie mit ihren Töchtern nach Amsterdam. Im Botanischen Garten von Amsterdam lernte sie exotische Pflanzen aus fernen Ländern kennen. Die Neugier darauf, welche Insekten wohl auf diesen Pflanzen leben mögen, trieben sie an und so entschloss sich die damals 52-jährige (für die damalige Zeit ein stolzes Alter) kurzerhand all ihren Besitz zu verkaufen und gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter im Jahre1699 eine Schiffspassage auf einem Kauffahrtsegler nach dem holländischen Surinam zu buchen.


Das feuchte Klima und die tropische Hitze machten ihr hier sehr zu schaffen. Dennoch unternahm sie zwei Jahre lang Expeditionen, durchkreuzte den Dschungel, beobachtete und sammelte unzählige Schmetterlinge und Käfer, aber auch Schlangen, Echsen und sogar ein kleines Krokodil. Nach zweijährigem Aufenthalt in Surinam erkrankte sie an Malaria. So kehrte sie im September 1701 mit ihrer Tochter nach Amsterdam zurück.

1705 erschien ihr Hauptwerk, die Metamorphosis Insectorum Surinamesium, das ihr weltweite Berühmtheit verschaffte und die zeitgenössische Gelehrtenwelt begeisterte. Merians Zeichnungen von Raupen und Würmern und ihrer Verwandlung in Schmetterlinge und Falter sind detailliert und so genau, wie man sie nie zuvor gesehen hatte. – „…und in natürlicher Größe gemalt und beschrieben“ wie Maria Sibylla Merian im Klappentext dieses Buches selbst schrieb. Zwei Jahre vor ihrem Tod erlitt sie einen Schlaganfall und konnte sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen. Maria Sibylla Merian starb am 13. Januar 1717 im Alter von 69 Jahren in Amsterdam.


Ihre wegweisenden Forschungen, die naturgetreuen Abbildungen und die prachtvollen Bücher erinnern uns noch heute an diese mutige Frau und Naturwissenschaftlerin. Auch wann immer wir zur Reiselektüre ein Merian-Heft oder -Buch zur Hand nehmen, begegnet uns ihr Name. Und mit Recht können wir sagen: Maria Sibylla Merian war eine frühe Heldin, die ihrer Leidenschaft folgte und den Weg der weiblichen Emanzipation beging. Sie ist auch heute noch für viele Frauen ein Vorbild.


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