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  • AutorenbildJO.

Vom Träumen und der Erwartung des Frühlings

Frühling, ich freue mich auf dich! Das neue Jahr begann schon mit sehr milden Temperaturen und ließ die kommende Jahreszeit erahnen. Doch dann folgten fiese Stürme und Schleswig-Holsteinische Grautöne. Und auch wenn der Klimawandel so wieder in den Vordergrund der Wahrnehmung kam und den brutalen Krieg in der Ukraine zunächst aus den Top-Nachrichten verdrängte, war und ist die frühe Vorfreude auf die kommende Jahreszeit groß.

Doch die Meteorologen verweisen auf ihre Statistiken, die zeigen, dass sich die Jahreszeiten verändern: Die Winter setzen später ein, und damit beginnen die Frühlingstage auch später im Jahr.

Nun könnte man sagen: Gedulde dich und warte bis der Frühling eintrifft! Aber das ist gar nicht nötig. Wieviel schöner ist es, der Natur vorauszueilen und bereits in Träumen zu erahnen, was uns erwartet.

Ich bin durch mein Alter in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Das hat dazu geführt, dass ich das Tagträumen kultiviert habe.

Vor meinem geistigen Auge ließ ich bereits bei kältesten Temperaturen den Frühling langsam erwachen: Die ersten Frühblüher, zum Beispiel Zaubernuss und Schneeglöckchen, ließ ich träumend bereits verblühen. Es folgten die leuchtend gelben Forsythien, und die Weidenkätzchen glänzten in der Sonne. Ich sah in meinem Träumen bereits, wie die Osterlilien und die Tulpen einen farbenfrohen Teppich bilden. Ich sah die Knospen an Bäumen und Sträuchern, hörte auch die ersten morgendlichen Vogelstimmen, die dann von Tag zu Tag bis zu einem vielstimmigen überwältigenden Konzert anschwellen. Obwohl mir ein Waldspaziergang leider nicht mehr möglich ist, spürte und roch ich bereits den typischen, etwas modrigen Geruch des Waldes.


Die Tage werden nun unaufhaltsam heller und länger, die Sonne bringt eine wohlige Wärme, die ich gemütlich im Liegestuhl auf meinem Balkon genieße. Und wenn die Knospen schließlich an Sträuchern und Bäumen aufspringen und sie diese zunächst in ein zartes und dann immer dunkleres Grün färben, habe ich das Gefühl, dass die Natur förmlich explodiert. Und dann ist es so weit: Jetzt kann der Frühling auch in der realen Welt ankommen. Und ich habe ihn bereits in seiner ganzen Pracht wahrgenommen.

Das Tagträumen hat mein Leben bereichert. Leider ist der Begriff „Träumer“ in unserer Gesellschaft negativ konnotiert, obwohl aus Träumen schon große Ideen und Erfindungen hervorgegangen sind. Und abgesehen davon, macht es auch noch Spaß.


Übrigens: Man kann auch von schönen Erlebnissen aus jüngerer Vergangenheit, wie zum Beispiel einem Segeltörn, einer Bergwanderung oder einem Strandurlaub träumen. Jeder kann es erlernen. Versuchen Sie es doch selbst einmal! Es lohnt sich.

 

IN DER KOLUMNE RÜCKBLICK BERICHTET GASTAUTOR PETER BORGWARD REGELMÄSSIG ÜBER PERSÖNLICHE ERLEBNISSE.

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